LA FAVOLA DEL SASSO E DEL RUSCELLO

Giusy era una bambina molto curiosa. Un giorno si fermò davanti alla nonna, la guardò negli occhi e le chiese:

Nonna, cosa sono gli ostacoli della vita?

La nonna le sorrise con dolcezza e rispose:

Prendi una sedia e siediti accanto a me. Ti racconterò una favola.

C’era una volta un sasso grande e pesante che un giorno cadde nel mezzo di un ruscello.

L’acqua gli sbatteva contro, faceva schiuma e sembrava quasi arrabbiata.

Spostati! — gridava. — Mi blocchi il cammino! Non posso correre libera!

Il sasso, tranquillo e immobile, rispose:

Io non mi muovo. Ma senza di me tu scorreresti dritta e veloce… e nessuno si fermerebbe ad ascoltarti.

Il ruscello rise.

Che sciocchezza! A cosa serve fermarsi?

Passarono i giorni.

Gli uccelli venivano a bere nell’acqua che rallentava accanto al sasso. I bambini si sedevano sulla riva per ascoltare il suono più dolce dell’acqua che scorreva intorno a lui.

E anche il ruscello, con il passare del tempo, comprese una cosa: la sua corsa era più bella proprio perché quel sasso la rallentava un poco.

Quando arrivò l’estate e il sole splendeva alto nel cielo, il ruscello disse:

Grazie, sasso. Se tu non ci fossi, sarei soltanto rumore. Con te, sono musica.

MORALE

Gli ostacoli che incontri lungo il cammino non sono lì per fermarti, ma per darti un ritmo. A volte è proprio ciò che ti rallenta a renderti più forte, più profondo e più prezioso. E spesso, rallentando, impari a vedere ciò che la fretta ti nasconde: la bellezza delle piccole cose, le persone che ti camminano accanto e i momenti che danno significato alla vita. Perché non sempre andare più veloce significa vivere meglio; a volte, è proprio rallentando che si impara a gustare davvero il viaggio.

Zaira Sellerio

DAS MÄRCHEN VOM STEIN UND DEM BACH

Giusy war ein sehr neugieriges kleines Mädchen. Eines Tages blieb sie vor ihrer Großmutter stehen, sah ihr in die Augen und fragte:

„Oma, was sind die Hindernisse des Lebens?“

Die Großmutter lächelte sanft und antwortete:

„Hol dir einen Stuhl und setz dich zu mir. Ich werde dir ein Märchen erzählen.“

Es war einmal ein großer, schwerer Stein, der eines Tages mitten in einen Bach fiel.

Das Wasser prallte gegen ihn, schäumte und schien beinahe wütend zu sein.

„Geh mir aus dem Weg!“, rief es. „Du versperrst mir den Weg! Ich kann nicht frei fließen!“

Der Stein, ruhig und unbeweglich, antwortete:

„Ich werde mich nicht bewegen. Aber ohne mich würdest du geradewegs und schnell dahinfließen … und niemand würde stehen bleiben, um dir zuzuhören.“

Der Bach lachte.

„Was für ein Unsinn! Wozu sollte man stehen bleiben?“

Die Tage vergingen.

Vögel kamen, um von dem Wasser zu trinken, das sich neben dem Stein verlangsamte. Kinder setzten sich ans Ufer und lauschten dem sanfteren Klang des Wassers, das um ihn herumfloss.

Und mit der Zeit begriff auch der Bach etwas: Sein Lauf war gerade deshalb schöner, weil der Stein ihn ein wenig verlangsamte.

Als der Sommer kam und die Sonne hoch am Himmel strahlte, sagte der Bach:

„Danke, Stein. Wenn du nicht hier gewesen wärst, wäre ich nur Lärm. Mit dir bin ich Musik.“

DIE MORAL DER GESCHICHTE

Die Hindernisse, denen du auf deinem Weg begegnest, sind nicht da, um dich aufzuhalten, sondern um deinem Leben einen Rhythmus zu geben. Manchmal ist genau das, was dich verlangsamt, das, was dich stärker, tiefer und wertvoller macht. Und oft lernst du gerade dann, wenn du langsamer wirst, das zu sehen, was die Eile vor dir verbirgt: die Schönheit der kleinen Dinge, die Menschen, die dich auf deinem Weg begleiten, und die Augenblicke, die dem Leben Bedeutung verleihen.

Denn schneller zu gehen bedeutet nicht immer, besser zu leben; manchmal lernt man erst dann, die Reise wirklich zu genießen, wenn man das Tempo drosselt.

Zaira Sellerio

Sasso e Ruscello Image by ChatGPT
Sasso e Ruscello Image by ChatGPT

Rezension

Mit Das Märchen vom Stein und dem Bach erzählt Zaira Sellerio mit Einfachheit und Herzenswärme eine der tiefsten Wahrheiten des Lebens: Hindernisse sind nicht immer Feinde, die es zu bekämpfen gilt, sondern Chancen, die uns helfen zu wachsen und unserem Weg Sinn zu verleihen. Durch den Dialog zwischen dem Stein und dem Bach erschafft die Autorin eine unmittelbare und fesselnde Metapher, die sowohl Kinder als auch Erwachsene anspricht. Es ist eine sanfte und zugleich nachdenklich stimmende Fabel, die dazu einlädt, Schwierigkeiten aus einer neuen Perspektive zu betrachten und sie von bloßen Hindernissen in wertvolle Gelegenheiten für Wachstum, Weisheit und innere Schönheit zu verwandeln.

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