La conchiglia che cantava ancora

C’era una volta, a Ischia, una conchiglia di nome Lina.

Lina viveva attaccata a uno scoglio, vicino al mare di Sant’Angelo. Accanto a lei c’era un’altra conchiglia, Toni. Stavano insieme da sempre. Ridevano con le onde e cantavano con il vento.

Tutti dicevano:
“Guardate Lina e Toni, che bella coppia.”

Un giorno arrivò una burrasca fortissima. Il mare si arrabbiò, le onde ruggirono e fecero un rumore enorme.

Quando l’acqua finalmente si calmò, Toni non c’era più. Il mare se l’era portato via.

Lina rimase sola sullo scoglio.

Il primo giorno pianse così tanto che l’acqua diventò ancora più salata. Il secondo giorno non cantò. Il terzo giorno guardò il mare e disse:

“La mia canzone è finita. Senza Toni, a chi la canto?”

Quella notte venne a trovarla il Granchio Vecchio. Aveva le zampe lente e gli occhi pieni di mare.

“Lina”, disse, “perché sei diventata silenziosa?”

“Perché Toni se n’è andato”, rispose lei. “E senza di lui la musica è finita.”

Il Granchio rise piano.

“Sciocca. Il mare non finisce perché un’onda va via. Ne arriva un’altra. E un’altra ancora.

Tu non eri la canzone di Toni. Tu eri la conchiglia che cantava. E le conchiglie cantano anche da sole.”

Lina non riusciva a crederci.

Ma il giorno dopo provò. Aprì un poco il guscio e fece shhh insieme al vento.

Arrivarono i pesci ad ascoltarla. Il giorno dopo cantò più forte e vennero anche le stelle marine. Dopo una settimana, tutto lo scoglio si fermava ad ascoltarla.

Un anno dopo passò un’altra conchiglia. Si chiamava Mareo.

Non era Toni. Rideva in modo diverso e cantava una melodia diversa.

Si fermò ad ascoltare Lina e disse:

“Che bella voce hai.”

E rimase lì, vicino a lei.

Lina capì allora una cosa importante.

Toni era stato il suo primo mare. Un amore bello e prezioso.

Ma la sua vita non era finita insieme a lui.

Perché lei non era “la conchiglia di Toni”.

Lei era Lina.

E Lina cantava.


Morale

Quando qualcuno va via dalla tua vita, fa male. È vero.

Ma la vita non è una canzone a due voci.

È la tua voce. E finché respiri, puoi continuare a cantare.

Il mare porta via, ma il mare porta anche.

E tu non smettere mai di restare sullo scoglio.

Fine

Nonna Zaira

La conchiglia che cantava ancora Image by Grok
La conchiglia che cantava ancora Image by Grok

Die Muschel, die noch immer schön sang

Es war einmal auf der Insel Ischia eine kleine Muschel namens Lina.

Lina lebte fest an einem Felsen am Meer, ganz in der Nähe von Sant’Angelo. Neben ihr lebte eine andere Muschel, Toni. Sie waren schon immer zusammen gewesen. Sie lachten mit den Wellen und sangen mit dem Wind.

Alle sagten:
„Seht nur Lina und Toni. Was für ein schönes Paar.“

Eines Tages kam ein gewaltiger Sturm auf. Das Meer wurde wütend, die Wellen brüllten und machten einen ohrenbetäubenden Lärm.

Als das Wasser endlich wieder ruhig wurde, war Toni verschwunden.

Das Meer hatte ihn fortgetragen.

Lina blieb allein auf dem Felsen zurück.

Am ersten Tag weinte sie so sehr, dass das Wasser noch salziger wurde. Am zweiten Tag sang sie nicht. Am dritten Tag schaute sie auf das Meer hinaus und sagte:

„Mein Lied ist zu Ende. Wem soll ich es ohne Toni noch singen?“

In dieser Nacht kam die Alte Krabbe zu ihr. Ihre Beine bewegten sich langsam, und ihre Augen waren voller Weisheit des Meeres.

„Lina“, fragte sie, „warum bist du so still geworden?“

„Weil Toni fort ist“, antwortete sie. „Ohne ihn ist die Musik vorbei.“

Die Alte Krabbe lächelte sanft.

„Ach, du kleine Muschel. Das Meer endet nicht, nur weil eine Welle verschwunden ist. Es kommt eine neue. Und noch eine.

Du warst nie nur Tonis Lied. Du warst die Muschel, die gesungen hat. Und Muscheln können auch allein singen.“

Lina konnte es kaum glauben.

Doch am nächsten Tag versuchte sie es. Sie öffnete ihre Schale ein kleines Stück und flüsterte zusammen mit dem Wind: schhh.

Die Fische kamen, um ihr zuzuhören.

Am nächsten Tag sang sie etwas lauter, und auch die Seesterne kamen.

Nach einer Woche hielten alle Lebewesen auf dem Felsen inne, um ihrem Lied zu lauschen.

Ein Jahr später kam eine andere Muschel vorbei.

Sie hieß Mareo.

Er war nicht Toni. Er lachte anders und sang eine andere Melodie.

Er blieb stehen, hörte Lina zu und sagte:

„Du hast eine wunderschöne Stimme.“

Und er blieb bei ihr.

Da verstand Lina etwas Wichtiges.

Toni war ihr erstes Meer gewesen.

Eine wunderschöne und wertvolle Liebe.

Aber ihr Leben war nicht mit ihm zu Ende gegangen.

Denn sie war nicht Tonis Muschel.

Sie war Lina.

Und Lina sang.

 


Moral

Wenn jemand aus deinem Leben geht, tut das weh. Das ist wahr.

Aber das Leben ist kein Lied, das nur von zwei Stimmen gesungen wird.

Es ist deine Stimme.

Und solange du atmest, kannst du weitersingen.

Das Meer nimmt etwas mit …

aber das Meer bringt auch Neues.

Und was auch immer geschieht,

höre niemals auf, an deinem Felsen festzuhalten.

Ende.

Nonna Zaira

 

Rezension

Die Muschel, die immer noch schön sang ist ein sanftes und bedeutungsvolles Märchen über den Schmerz des Verlustes, aber vor allem über den Weg zur Selbstentdeckung.

Linas Geschichte handelt nicht nur vom Verlust von Toni, sondern auch von einer inneren Verwandlung. Bevor sie getrennt wurden, fand Lina ihr Glück vor allem in der Nähe von Toni und erkannte den Wert ihrer eigenen Stimme nicht vollständig. Sie sah sich als Teil eines Paares, fast so, als würden ihre Schönheit und ihre Fähigkeit zu singen von der Anwesenheit der anderen Muschel abhängen.

Als das Meer Toni fortträgt, wird Lina von tiefer Traurigkeit überwältigt. Doch gerade durch diesen Schmerz lernt sie etwas sehr Wichtiges: Sie besitzt auch allein einen eigenen Wert. Dank der weisen Worte der Alten Krabbe erkennt sie, dass sie niemals nur „Tonis Muschel“ war. Sie ist Lina – eine Muschel mit einer ganz eigenen Stimme.

Mit einem einfachen und zugleich poetischen Stil erzählt Zaira Sellerio, die diese Geschichte liebevoll unter dem Namen Nonna Zaira (Oma Zaira) veröffentlicht, eine Erzählung, die aus dem Herzen kommt und von einem tiefen Verständnis für menschliche Gefühle geprägt ist. Dieses bezaubernde Märchen spricht Kinder und Erwachsene gleichermaßen an und erinnert uns daran, dass wir oft erst dann lernen, uns selbst zu lieben, wenn wir beginnen, auf unsere eigene Stimme und unser eigenes Herz zu hören.

Es ist eine Geschichte über Mut, Erneuerung und die Erkenntnis, dass jeder Mensch ein einzigartiges Licht und eine ganz eigene Melodie in sich trägt.

 

With a simple yet poetic style,   writing under the affectionate name Nonna (Oma) Zaira, tells a story born from the heart and shaped by a deep understanding of human emotions. This enchanting tale speaks to both children and adults, reminding us that we often learn to love ourselves only when we begin to listen to our own hearts. It is a story of courage, renewal, and the realization that every person carries a unique light and a melody all their own.

 

Das Buch „Il coraggio è femmina“ („Mut ist weiblich“) von Zaira Sellerio ist jetzt auf Italienisch bei Amazon erhältlich!

Einige der Auszeichnungen und Ehrungen für ihre literarischen Werke

    • National Poetry Prize “Arturo Massimi” – Mentana (Rome), October 1999.
    • Narrative Prize Plaque – International Competition “Pelosa”, Messina, November 2000.
    • Poetry Award Plaque – Province of Rome, October 2000.
    • International Literary Competition “Antonio de Curtis – Totò” – Rome.
    • “Poets and Society” Prize – German-Swiss Delegation, International Competition – Honorable Mention.
    • Unpublished Poetry Prize “L’Attualità – Bartolucci” – 5th Edition, Finalist Diploma, October 27, 2001.
    • International Artistic-Literary Competition “Antonio de Curtis – Totò” – Rome, October 22, 2002.
    • ALIAS Award – Italian-Australian Writers’ Academy, in collaboration with C.R.A.S.E.S. Palermo.
    • International Literary Competition – 3rd Ex Aequo Poetry Prize, October 10, 2003.
    • First Poetry Prize “Il Salotto dell’Arte” – Rome, March 22, 2009.
    • “A Life for Culture” Prize – “Il Salotto dell’Arte” Gallery, Rome.
    • 4th International Literary Prize “Europa” – for the novel From the Depths of the Heart, Lugano, May 11, 2014.
    • 2nd Navarro Prize – for the novel From the Depths of the Heart, Sambuca di Sicilia, Sicily, May 13, 2018.
    • Special Lilly Broggi Prize “La Pergola Arte” – for the novel From the Depths of the Heart, Florence, October 27, 2018.
    • 5th Literary Prize “Massa, Fairy-Tale City of Sea and Marble” – Versilia Club, for the novel From the Depths of the Heart, September 28, 2019.
    • 1st International Prize “Donne d’Amore” V. Barrett – Female Universe Section, Poetry Category, for On the Steps of Piazza di Spagna.
    • 1st Prize – Literature Section (Novel) – for Courage Is Female, Rome, May 22, 2023.
    • Poetry Prize “At Your Feet” – City of Mercogliano (AV), for the poem And There I Met My Mother, September 8, 2024.
    • 11th Edition San Valentino Prize – City of Atripalda (AV) – Cupido World Wide Section, for the poem “Ich habe dich geliebt” (I Loved You), April 26–27, 2025.
    • Prize Belli – Lami 2026 – Accademia Tiberina, Roma – Recognition for the book “Il coraggio è femmina”, June 25, 2026

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