Inflation in der Schweiz steigt wieder an und bleibt auf hohem Niveau
Der Verbraucherpreisindex (VPI) stieg auf 104,8 Punkte (Dezember 2020 = 100). Im Vergleich zum Vorjahresmonat wurde ein Anstieg von +3,5 Prozent beobachtet. Dies geht aus den Ergebnissen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.

Der Anstieg um 0,3 % gegenüber dem Vormonat ist auf mehrere Faktoren zurückzuführen, unter anderem auf den Anstieg der Preise für stationäre Krankenhausleistungen, soziale Einrichtungen und Wohnungsmieten. Dagegen sanken die Preise für die Anmietung von Privatfahrzeugen, Laboranalysen und Kraftstoffe.
Rekordpreise für Heizung
Im März 2022 kostete Heizöl 55 % mehr als im Vorjahr, aber auch die anderen Energieträger, die zum Heizen einer Wohnung benötigt werden, verzeichneten starke Preissteigerungen.
Gas kostet 38 % mehr, während Brennholz um 14 % teurer geworden ist.
Nur für diejenigen, die mit Strom heizen (z. B. mit einer Wärmepumpe), hat sich mit einem Anstieg von 2,4 % bisher nicht viel geändert, aber auch für diesen Energieträger werden ab 2023 große Steigerungen erwartet.
Die schweizerische Inflation erreicht einen historischen Höchststand
Stromtarife steigen im Jahr 2023
Die Eidgenössische Elektrizitätskommission (ElCom) hat für das Jahr 2023 eine starke Erhöhung der Strompreise in der Schweiz angekündigt. Ein typischer Haushalt wird im nächsten Jahr 26,95 Rappen pro Kilowattstunde (ct./kWh) bezahlen, das sind 5,77 ct/kWh (+27 %) mehr als 2022.
Bis zum 31. August 2022 wurden die rund 630 Verteilnetzbetreiber in der Schweiz angewiesen, ihren Kunden und der ElCom die Stromtarife für das kommende Jahr mitzuteilen. Die Tarife setzen sich aus Netznutzungstarifen, Energietarifen, Abgaben an die öffentliche Hand und dem Netzzuschlag zusammen. Gemäss den Medianwertberechnungen der ElCom sieht die Situation im Jahr 2023 wie folgt aus:
- Ein typischer Haushalt mit einem Jahresverbrauch von 4500 Kilowattstunden (Verbrauchsprofil H4) wird im nächsten Jahr durchschnittlich 27 Rappen pro Kilowattstunde (ct./kWh) bezahlen, also rund 5,8 ct./kWh mehr als 2022. Die Jahresrechnung wird somit 1’215 Franken (+261) betragen.
- Die Kosten für die Netznutzung steigen geringfügig, für einen typischen Haushalt um 7 Prozent, von 9,9 ct./kWh auf 10,5 ct./kWh. Die Energietarife für Haushalte steigen von 7,9 ct./kWh auf 13,1 ct./kWh (+ 64 %). Die Abgaben an die öffentliche Hand steigen von 0,9 ct./kWh auf 1,0 ct./kWh pro Haushalt (+ 11 %). Der Netzzuschlag bleibt unverändert auf dem gesetzlichen Höchstwert von 2,3 ct./kWh.
Für die kleinen und mittleren Unternehmen in der Schweiz ergibt sich folgendes Bild: Netzkosten, Netzzuschlag und Energiepreise steigen. Das bedeutet, dass der Median des Gesamtpreises um 27% ansteigt.
Allerdings variieren die Preise innerhalb der Schweiz zwischen den Netzbetreibern zum Teil erheblich, was vor allem auf grosse Unterschiede in der Energieversorgung (Eigenproduktionsquote, Versorgungsstrategie) zurückzuführen ist.
Gründe für Tariferhöhungen: starker Preisanstieg auf dem Großhandelsmarkt
Auf dem Großhandelsmarkt ist seit Mitte 2021 europaweit ein starker Preisanstieg zu beobachten. Die Gründe dafür sind die hohen Gaspreise, die durch den Krieg in der Ukraine enorm gestiegen sind. Preistreibend wirkten die stark gestiegenen Kohlepreise, die hohen CO2-Preise und die unterdurchschnittliche Produktionsleistung der französischen Kernkraftwerke.
Da der Schweizer Strommarkt eng mit dem europäischen Markt verbunden ist, wirken sich die Preissteigerungen auch auf die Schweiz aus: Viele Stromversorgungsunternehmen kaufen einen grossen Teil ihres Stroms auf dem Grosshandelsmarkt ein. Aufgrund der gestiegenen Marktpreise haben sie nun höhere Energiebeschaffungskosten, die sie über höhere Tarife an die Kunden der Grundversorgung, z.B. die Haushalte, weitergeben.
Neben dem Energietarif werden auch die Netzkosten, die ebenfalls strompreisabhängige Komponenten (Wirkverluste, Systemdienstleistungen) enthalten, leicht steigen. Sogenannte Systemdienstleistungen (SDL) werden von der Übertragungsnetzbetreiberin Swissgrid für die kurzfristige Systemstabilität erbracht. Die Kosten für die SDL stellt Swissgrid den Schweizer Netzbetreibern in Rechnung, die sie wiederum ihren Endverbrauchern in Rechnung stellen. Swissgrid muss die Systemdienstleistungen in einem marktorientierten, nicht diskriminierenden und transparenten Verfahren einkaufen. Die Tarife der Systemdienstleistungen sind aufgrund ihres Bezugs zur Energie der Preisentwicklung an den internationalen Strommärkten ausgesetzt. Die höheren Preise für Systemdienstleistungen sind deshalb eine direkte Folge der aktuellen Situation auf den Strommärkten.
Veröffentlichung der Tarife durch die ElCom
Die Tarife 2023 der einzelnen Gemeinden und Verteilnetzbetreiber können auf der Stromtarif-Webseite der ElCom, www.prezzi-elettricita.elcom.admin.ch, eingesehen und verglichen werden. Zudem sind auf der Website FAQ mit weiteren Informationen zu Tariferhöhungen abrufbar.
Die Stromtarifdaten werden von den Netzbetreibern direkt an die ElCom geliefert und von dieser umgehend publiziert. Die Verantwortung für die Qualität der Daten liegt bei den Netzbetreibern. Rund zwei Prozent der Netzbetreiber haben die Daten nicht fristgerecht eingereicht. Eine Konsultation der neuen Tarife für die betreffenden Gebiete ist deshalb noch nicht möglich. Aufgrund ihrer Größenordnung sind jedoch keine Änderungen an diesen Ergebnissen zu erwarten.
Die vier Komponenten des Strompreises
1. Netznutzungstarif Preis für den Transport des Stroms im Netz vom Kraftwerk zum Verbraucher. Er wird durch die Kosten für den Bau, die Instandhaltung und den Betrieb des Stromnetzes bestimmt.
2. Energietarif Preis für den gelieferten Strom. Diese Energie wird entweder vom Netzbetreiber mit eigenen Kraftwerken erzeugt oder von Lieferanten bezogen.
3. Abgaben an öffentliche Stellen Kommunale und kantonale Steuern und Abgaben. Dazu gehören zum Beispiel Konzessionsabgaben oder lokale Energiesteuern.
4. Netzzuschlag Bundesabgabe zur Förderung der erneuerbaren Energien, zur Unterstützung von Grosswasserkraftwerken und deren ökologischer Sanierung. Die Höhe der Abgabe wird jährlich vom Bundesrat festgelegt; im Jahr 2023 wird sie voraussichtlich wie im Vorjahr 2,3 Rp./kWh betragen, was dem gesetzlich festgelegten Höchstwert entspricht.

Erzeuger- und Einfuhrpreisindex
Der Gesamtindex der Erzeuger- und Einfuhrpreise sank im August 2022 gegenüber dem Vormonat um 0,1 % auf 109,6 Punkte (Dezember 2020 = 100). Niedrigere Preise wurden insbesondere bei Mineralölerzeugnissen sowie bei Metallen und Metallhalbzeug beobachtet, höhere bei chemischen Erzeugnissen. Im Vergleich zum August 2021 stieg das Preisniveau des Gesamtangebots an einheimischen und importierten Produkten um 5,5 Prozent. Dies geht aus den Ergebnissen des Bundesamts für Statistik (BFS) hervor.
Der Anstieg des Produzentenpreisindexes gegenüber dem Vormonat ist vor allem auf die höheren Preise von Basischemikalien und anderen chemischen Produkten zurückzuführen. Ebenfalls gestiegen sind die Preise für Arzneimittel, Farben, Lacke, Druckfarben und synthetische Klebstoffe, Glas und Glaswaren, Keramik, Stein- und Steingut, Holzprodukte sowie Seifen, Wasch- und Reinigungsmittel, Parfüms und Kosmetika. Weniger teuer waren dagegen Metalle und Metallhalbzeug, Schlachtschweine und Schweinefleisch.
Im Vergleich zum Juli 2022 verzeichnete der Einfuhrpreisindex niedrigere Preise insbesondere für Mineralölerzeugnisse, Metalle und Metallhalbzeuge. Sinkende Preise wurden auch für pharmazeutische Erzeugnisse, Kunststoffwaren, Holzprodukte und Computer beobachtet. Dagegen stiegen die Preise für Erdöl und Erdgas, chemische Grundstoffe und sonstige chemische Erzeugnisse.
Starker Anstieg der Strompreise in der Schweiz
Krankenversicherung wird 2023 noch teurer
Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) hat bekannt gegeben, dass die Krankenkassenprämien im Jahr 2023 mit einem Anstieg von 6,6 % gegenüber 2022 stark ansteigen werden. Noch stärker wird es im Tessin, in Appenzell Innerrhoden und Neuenburg sein, wo Erhöhungen von bis zu 9% gegenüber 2022 zu verzeichnen sein werden.
Erhöhung des Leitzinses
Die Schweizerische Nationalbank (SNB) hat den Leitzins um weitere 0,75 Prozentpunkte auf 0,5% erhöht.
Rückläufige Treibstoffe
Im Gegensatz zu den starken Erhöhungen der letzten Monate ist der Erdölpreis nun stark gesunken, was auch die Kosten für Benzin in der Schweiz senkt, die nun bei rund 1,90 CHF pro Liter liegen.

Inflation in der Eurozone noch höher
Die Inflation in der Eurozone hat einen neuen Rekord aufgestellt und ist von 9,1 % im August auf 10 % gestiegen. Der Hauptgrund für die zweistellige Inflation war der Anstieg der Energiepreise, die von 38,6 % im August auf 40,8 % stiegen und damit ein Niveau erreichten, das es seit der Gründung der Wirtschafts- und Währungsunion nicht mehr gab.
Quelle: admin.ch