Individuelle Besteuerung: Ein Angriff auf Familien und Föderalismus
Bürokratie, milliardenschwere Kosten und soziale Ungerechtigkeiten: Warum man bei der Einzelbesteuerung NEIN und für gerechtere, föderale Lösungen JA sagen sollte

Der Vorschlag, die individuelle Besteuerung für verheiratete Paare einzuführen, muss abgelehnt werden, da er erhebliche Nachteile für Familien, die Mittelschicht und den Föderalismus mit sich bringen würde, ohne konkrete Vorteile zu schaffen. Statt das Steuersystem zu vereinfachen, würde die Reform es komplizierter machen, neue Ungerechtigkeiten erzeugen und eine enorme bürokratische Belastung schaffen.
Um die individuelle Besteuerung anzuwenden, müsste das Vermögen der Paare wie im Scheidungsfall aufgeteilt werden, einschließlich Bankkonten, Immobilien und anderer Vermögenswerte. Dies würde die Steuerverwaltung nicht nur kompliziert, sondern auch kostspielig machen, mit der Verpflichtung, jährlich 1,7 Millionen zusätzliche Steuererklärungen einzureichen. Die Kantone und Gemeinden müssten Tausende neuer Steuerbeamter einstellen und Steuervergünstigungen, Versicherungsprämien, Bildungs- und Kinderbetreuungsbeiträge komplett überarbeiten.
Sozial gesehen wäre die Reform ungerecht: Sie würde Familien mit einem Haupteinkommen oder einem geringen Zweiteinkommen benachteiligen, während Paare ohne Kinder mit hohem Einkommen profitieren würden. Dadurch träfe sie besonders die Mittelschicht und traditionelle Familien, genau jene, die bereits einen Großteil des Steuersystems tragen.
Schließlich würde die Reform den Föderalismus untergraben, indem sie einheitliche Regeln erzwingt, die bereits funktionierende und flexible kantonale Modelle zerstören, die die sogenannte „Ehepenalisierung“ effektiv gemildert haben. Kein Wunder also, dass bei der Konsultation 21 von 26 Kantonen den Vorschlag ablehnten, da sie ihn als bürokratische und kostspielige Lösung betrachteten, die die bestehenden Probleme nicht löst.
Die „Ehepenalisierung“ kann mit einfacheren, gerechteren und föderalismusfreundlichen Lösungen beseitigt werden, ohne die Familien zu belasten oder die Komplexität und die Kosten des Staates unnötig zu erhöhen.
2026 Ein Meilenstein für Föderalismus und direkte Demokratie in der Schweiz
Ein historisches Nein der Kantone
Zum zweiten Mal seit 1874 haben sich gleich 10 Kantone entschieden, das kantonale Referendum zu ergreifen. Ein äußerst seltenes Ereignis, das wie ein institutioneller Weckruf klingt. Die Konferenz der Kantonsregierungen (KdK) lehnt die individuelle Besteuerung ebenso ab wie 21 von 26 Kantonen im Konsultationsverfahren. Unterstützt wird das Nein auch von der FDK, dem Handelssektor (SGV) und der Landwirtschaft (SBV).
Die Botschaft ist eindeutig: Diese Reform stellt einen Angriff auf den Föderalismus und die kantonale Steuerhoheit dar.
Ein direkter Angriff auf Familien und die Mittelschicht
Die individuelle Besteuerung zerstört steuerlich die Ehe, indem Ehepartner nicht mehr als wirtschaftliche und solidarische Einheit behandelt werden, sondern als einzelne Individuen. Traditionelle Familienmodelle, in denen ein Partner Betreuungs- und Pflegearbeit leistet, werden benachteiligt. Von Gleichberechtigung kann keine Rede sein: Die Reform reduziert die Wahlfreiheit und entwertet die Vielfalt der Lebensmodelle.
Wer bezahlt die Rechnung wirklich?
Die Daten sind klar:
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Einverdiener-Familien und die Mittelschicht würden Tausende Franken mehr zahlen.
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Familien mit einem Einkommen unter 250.000 CHF gehören systematisch zu den Verlierern.
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Die eigentlichen Gewinner? Paare ohne Kinder, mit Doppelverdienst und hohem Einkommen.
Negative Auswirkungen auf Familien, Geburtenrate und Gesundheit
Die individuelle Besteuerung könnte Paare davon abhalten, Kinder zu bekommen, und so das Problem der Überalterung der Bevölkerung und des Rückgangs junger Menschen verschärfen. Im heutigen System können Familien die Kinderbetreuung ausgewogen organisieren, oft mit einem Partner, der mehr Zeit für Haushaltsführung aufwendet. Mit der individuellen Besteuerung müsste der Partner, der bisher hauptsächlich Pflegearbeit leistet (in der Regel die Mutter), gezwungen sein, ebenfalls auf dem externen Arbeitsmarkt tätig zu sein – oft mit hoher Arbeitszeit, um steuerliche Nachteile zu vermeiden. Dies würde die Gesamtbelastung erheblich erhöhen.
Diese Mehrbelastung führt zu Stress, Burnout und weiteren gesundheitlichen Problemen, wodurch nicht nur die persönliche Gesundheit gefährdet wird, sondern auch die Kosten für Staat und Familien steigen. Die Reform würde also nicht nur das Familienwohl und die Geburtenrate beeinträchtigen, sondern auch eine zusätzliche soziale und wirtschaftliche Last schaffen – entgegen dem Ziel einer vereinfachten und gerechten Besteuerung.
Ein bürokratisches Monster ohne Mehrwert
Die individuelle Besteuerung würde bedeuten:
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+1,7 Millionen Steuererklärungen pro Jahr
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Tausende neuer Steuerbeamter
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Millionenkosten für IT-Systeme in allen 26 Kantonen
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Mehr Streitfälle, Rekurse und Gerichtsverfahren
Milliardenkosten und finanzielle Risiken
Die Reform würde der Eidgenossenschaft jährlich 1 Milliarde CHF an Mindereinnahmen bringen, dazu kämen Verluste für Kantone und Gemeinden. Ganz zu schweigen von den Milliarden, die für die Umstellung der Systeme und jahrelanges Parallelmanagement erforderlich wären.
Ein inkohärentes und juristisch problematisches System
Die individuelle Besteuerung verletzt das Leistungsfähigkeitsprinzip und steht im Widerspruch zum Zivilrecht sowie zu den Sozialversicherungen, die weiterhin die Ehe als wirtschaftliche und soziale Gemeinschaft betrachten. Das Ergebnis wäre eine größere Rechtsunsicherheit und neue Anreize für Steuerumgehung.
In einem Land wie der Schweiz, bekannt für Demokratie, Freiheit und Respekt vor individuellen Entscheidungen, würde diese Reform traditionelle verheiratete Familien diskriminieren und jene benachteiligen, die ihr Familienleben nach bewährten Modellen organisieren. Statt Gleichberechtigung und Freiheit zu fördern, würde die individuelle Besteuerung eine zentralistische und uniformierende Vision aufzwingen, die den historischen Werten des Landes widerspricht und die rechtliche sowie soziale Stabilität der Familien gefährdet.
Ideologischer Zentralismus und Angriff auf den Föderalismus
Viele Kantone haben bereits wirksame Lösungen gefunden, die mit dem Föderalismus vereinbar sind, um die Ehebenachteiligung abzumildern.
Die Einführung der individuellen Besteuerung würde diese funktionierenden Modelle zerstören und eine zentralistische Intervention erzwingen, die die Regeln landesweit vereinheitlicht und die Autonomie der Kantone reduziert. Im Namen eines ideologischen Experiments ignoriert die Reform lokale Besonderheiten und liefert keine konkreten Belege für die angeblichen Vorteile auf dem Arbeitsmarkt. So würden Pragmatismus und Flexibilität, die in den kantonalen Systemen bereits bestehen, durch Bürokratie, Zusatzkosten und von oben verordnete Regeln ersetzt.
Fazit
Die individuelle Besteuerung löst kein Problem. Sie schafft viele: mehr Ungerechtigkeit, mehr Bürokratie, höhere Kosten und weniger Föderalismus.
Es gibt einfachere, gerechtere Lösungen, die die Kompetenzen der Kantone respektieren und die Ehebenachteiligung abschaffen.






